Die GLOW@CT-Initiative unterstützt Frauen dabei, in einem Technologiekonzern wie Siemens Karriere zu machen. Ich hatte die Gelegenheit in einem Gespräch mit der Netzwerkleiterin Dr. Elvire Meier-Comte, Senior Manager Innovation & Change München, mehr über die Initiative zu erfahren.

Was ist GLOW@CT und wer steckt dahinter?

GLOW bedeutet Global Leadership Of Women. CT bedeutet “Corporate Technology”. Die GLOW Initiative wurde 2010 aus der Siemens Global Diversity Initiative gegründet. Unser damaliger CEO Peter Löscher organisierte eine große Veranstaltung mit 250 Top Frauen und allen Managing Board Members. In einem Workshop entstand der Name GLOW für die Frauennetzwerke bei Siemens. Die GLOW Netzwerke sollten unabhängig voneinander in den jeweiligen Siemens-Einheiten gegründet werden. Als Top Talent wurde ich damals mit zwei Top Managerinnen von CT zu dieser Veranstaltung auch eingeladen. GLOW@CT wurde gleich danach von uns gegründet. Es gibt ähnliche Initiativen in den USA und in einigen operativen Bereichen (Digital Factory, Process and Drive, Healthcare).

Welche Rolle hast Du bei dem Projekt?

Seit Ende 2012 leite ich das Netzwerk. Vor meiner Zeit gab es hauptsächlich Netzwerk-Aktivitäten (MINT und Software Netzwerke, Business Lunch). Es lief gut, aber nach zwei Jahren ging die Motivation nach unten. Ich wurde dann von der HR und von einer Top-Managerin bei CT gebeten, ein Leadership Programm für talentierte Frauen zu starten (GLOW@CT+). Die Gründung dieser exklusiven Aktivität hat dazu geführt, dass sehr viele neue und gute Frauen zu uns gekommen sind… und es wächst weiterhin… Da wir plötzlich den Siemens-Kriterien von „Top Talent“ entsprachen und damit eine seriöse Pipeline für talentierte Frauen anbieten können, hat diese exklusive Aktivität auch die Aufmerksamkeit von Siemens Top Management gewonnen.

Was fasziniert Dich am Thema Frauen und Karriere, bzw. warum engagierst Du Dich so stark dafür?

Es gibt ein unglaubliches Potenzial bei den Frauen in der Corporate Technology. Die meisten haben einen naturwissenschaftlichen, oder einen Hintergrund im Bereich Innovationsmanagement. Sie sind hochqualifiziert und in der Forschung oder in Engineering Aktivitäten sehr erfolgreich. Leider verkaufen sie ihre Kompetenzen oft unter „Wert“, weil sie immer davon überzeugt sind, dass man ein Thema perfekt beherrschen sollte, bevor man eine neue Aufgabe übernimmt (die 100% Regelung). Für Führungs- oder Management Positionen reichen aber 80%. Wenn sie eine Familie gründen, verkaufen sich Frauen meistens noch schlechter, weil sie Angst vor einem Umbruch in ihrer Work-Life-Balance haben.

Ich engagiere mich sehr stark, weil ich selbst weiß wie schwierig es ist als Frau und Mutter seinen Platz in einem Unternehmen zu schaffen. Ich bin Mutter von 3 Kindern und habe immer gearbeitet. Ich hatte das Glück in Frankreich aufzuwachsen und wurde mit dem Thema Job und Kinder anders erzogen, als die meisten in Deutschland. Das hat mir sehr geholfen. Ich weiß aber auch, wie viel Kraft und Unterstützung eine Mutter braucht, damit sie sich aus einer fragilen Komfort-Zone herauswagt und eine neue Herausforderung übernimmt. Diese Frauen möchte ich unterstützen weil ich überzeugt bin, dass sie die „innere Stärke“ bereits besitzen. Ich muss nur die kleine „Flamme“ bei jeder identifizieren und entzünden und schon rennen sie weiter und trauen sich die Karriereschritte umzusetzen, die sie sonst nie gewagt hätten. Davon kann die Firma und grundsätzlich die Gesellschaft sehr profitieren. Dafür eine positiven Beitrag zu leisten ist ein sehr schönes Gefühl, das ist mir das Wichtigste an dieser Sache.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich eines Tages so stark für dieses Thema engagiere. Ich bin und fühle mich auch nicht als Feministin. Ich merke aber, dass ich durch meine positive Einstellung, sowie durch meinen privaten und auch beruflichen Werdegang sehr viel Hoffnung und neue Energie an Frauen weitergeben kann. Diese Energie wird sogar außerhalb von Siemens von anderen Frauennetzwerken gespürt. Ich mache aus diesem Grund immer weiter und bekomme dafür auch sehr viel positives Feedback von außerhalb!

“#Frauennetzwerk #GLOW@CT – Engagement für mehr Frauen in Top Positionen bei #CT #Siemens“

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Wie ist die Einbindung bei Siemens und wie wird das Projekt gefördert?

Wir haben in unserem Bereich Corporate Technology ein Steering Committee mit 4 Top Managern und auch das offizielle Sponsoring von 2 Vorständen (S. Russwurm und J. Kugel), die uns unterstützen.Unser Budget ist klein und vor allem auf das High-Potential Programm (GLOW@CT+) dediziert. Das Stee. Committee trifft sich mit mir und unseren Leadern 2 Mal im Jahr. Unsere Organisation ist damit offiziell anerkannt.

Kann man den Erfolg von GLOW@CT darstellen und benennen?

Der Erfolg von GLOW@CT ist erstmals in der Dynamik, Exzellenz und Innovation der aktiven Mitglieder spürbar, sowie in den Perspektivenwechseln, die wir für die Frauen auch von Seiten der Männer gewinnen. Wir haben es nach Innen und nach Außen geschafft, uns als innovatives und Pioneer Netzwerk zu positionieren. Seitdem haben wir auch intern hohe Management Attention und Unterstützung von 2 Vorständen gewonnen. Diese Management Attention ist wichtig, damit die Veränderung nicht nur „Bottom-up“ durch unser Netzwerk stattfindet, sondern auch „Top-down“ durch das Engagement unserer Führungskräfte.

Wir sind auch durch unsere Aktivitäten und Projekte dafür bekannt geworden, dass wir nicht nur Exzellenz und Innovation anbieten können, sondern uns auch trauen Ideen schnell umzusetzen, die in der Siemens Organisation noch nicht existieren („we fill the gap“).

Des Weiteren sind wir auch offizielle „Provider“ talentierter Frauen geworden. Die HR Abteilung möchte die Profile unserer Top-Frauen in der Pipeline Planung berücksichtigen. Dies wird immer in Form eines Booklets mit Profilen von Frauen an unseren Top Manager kommuniziert.

Was können andere Unternehmen von der Initiative lernen?

Ein Netzwerk muss man pflegen und immer wieder kommunizieren, was man dort macht und erreicht. Das Netzwerk soll auch die strategischen Ziele unterstützen und kommunizieren. Die Kommunikation dabei ist sehr, sehr wichtig. Ich empfehle auch externen Netzwerken ein High-Potential Programm im Unternehmen aufzubauen, weil man damit plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit vom obersten Management gewinnen kann.

Was war Deine schönste Erfahrung seit 2010 – seit diesem Zeitpunkt gibt es ja die Initiative.

Meine schönste Erfahrung sind die High-Potential und Senior Experienced Programme, die ich konzipiert und begleitet habe. Die Frauen haben sich in dem Jahr des Programms extrem entwickelt. Man kann es an ihren Gesichtszügen sehen, an ihrem Verhalten und an ihrem Auftreten. An diesen Veränderungen beteiligt zu sein ist für mich die schönste Erfahrung. Es ist auch der Grund, warum ich im Oktober eine 1-Jährige Coaching Ausbildung gestartet habe. Ich will diese Frauen noch besser unterstützen!

Was sind die wichtigsten Learnings aus GLOW@CT?

Frauen mit Training und Coaching zu verstärken ist der erste wichtige Schritt. Danach muss man diese Frauen in- und außerhalb der Organisation verbinden und sie dazu anleiten das „Netzwerken“ zu lernen. Nur so wird aus ihrer neuen Identität, Realität. Diese neue Verbindungen sind auch die wichtigen nächsten Schritte für einen Berufswechsel. Viele Männer in unserer Organisation freuen sich, wenn man sie bezüglich einer Mentoring Rolle anspricht oder als Sparring Partner nimmt. Man muss sich nur trauen, diese Manager zu fragen!

Wichtig bei uns war auch die Positionierung unseres Frauennetzwerkes mit innovativen Themen. Wir sind nicht nur ein Frauennetzwerk, wir sind auch „Pioneer“ in unserer Organisation (Flache Hierarchie, Umsetzung von neuem Leadership Modell) und arbeiten an strategisch wichtigen Themen wie die Digitalisierung. Unsere Projekte laufen auch nicht nur intern sondern auch extern, so dass wir auch die kulturellen Veränderungen verkörpern und nach außen kommunizieren können. Projekte mit Universitäten oder mit Forschungsinstituten bringen ein neues Bild von Siemens nach außen und haben auch intern eine sehr positive Wirkung.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Verbindungen innerhalb und außerhalb der Firma immer mehr erweitern. Je mehr wir vernetzt sind, desto einfacher wird es für uns sein, unsere Top Frauen zu positionieren (Nächstes Projekt ist mit der FiDar: Frauen im Aufsichtsrat). Darüber hinaus gehen wir immer wieder neue und innovative Ideen und Themen an und starten diese als „pilot“.

Welche drei Tipps gibst Du Frauen, die bei einem Unternehmen wie Siemens nach oben kommen wollen?

Frauen sollten an ihrer inneren Stärke so früh wie möglich arbeiten. Damit meine ich, das Bewusstsein für ihre fachliche sowie soziale Kompetenzen erhöhen und für sich selbst definieren, was wichtig in ihrem Leben ist, wofür sie stehen.
Sie müssen das System (Firma) verstehen und „rules of the games“ immer im Blick behalten. Sie brauchen eine breit gefächerte Perspektive, müssen in Netzwerken denken und agieren. Darüber hinaus müssen sie andere Frauen immer wieder unterstützen und nicht „gegen“ talentierte Frauen agieren. „Geben“ lohnt sich in dem Fall viel mehr als sich zu „isolieren“.

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