Ja, und? Das klingt nach Schulterzucken. Nach Arroganz, Ignoranz. Dabei meine ich das ganz anders. 

Ich habe schon viele Seminare besucht, Fortbildungen gemacht und Trainings bekommen. Da waren gute und sehr gute dabei. Aber das absolut effektivste und dabei auch noch spaßigste Training für mich ist Impro-Theater.

Ich kenne zumindest keinen anderen Weg, der auf eine so einfache Art Themen vermittelt, Erfahrungen ermöglicht – und noch dazu eins zu eins für den Job übertragen werden kann. Meine Empfehlung: Einfach ausprobieren – es gibt in jeder größeren Stadt Impro-Theatergruppen, die Schnupperabende anbieten.

Persönlich gibt es für mich drei wesentliche Punkte, die ich im Rahmen meiner Workshops mitgenommen habe:

1. Positive Grundeinstellung

Der wichtigste Aspekt ist die positive Grundeinstellung, die man beim Impro-Theater haben muss. Ohne die geht auf der Bühne einfach nichts. Wenn mein Mitspieler mich auf der Bühne anspielt und eine Behauptung aufstellt dann muss ich diese erst einmal annehmen. Sonst entsteht keine Szene. So einfach ist das. Das Mantra im Impro-Theater heißt daher: „ja, genau und dann“.

Um ein Beispiel zu geben: jemand spielt mich auf der Bühne an und behauptet, mein Bruder zu sein, der vor vielen Jahren verschollen gegangen ist und nun plötzlich wieder auftaucht. Und er möchte, weil er keine Bleibe hat, bei mir für die nächsten Monate einziehen. Wenn ich nun als Mitspieler Nein sage und abblocke, passiert nichts. Und das geht beim Impro-Theater nicht. Denn dann wäre die Szene vorbei. Wenn ich jedoch „Ja, genau! Und dann…“ antworte kann sich nicht nur ein interessanter Dialog, sondern auch eine interessante Szene entwickeln.

So ist das auch im Job. Nicht immer einfach erst mal „Nein“ sagen, ein „Aber“ anbringen oder den Kopf schütteln. Die Devise muss sein, das, was ist, anzunehmen und versuchen, das Beste daraus machen.

2. Wahrnehmung und Spontanität

„Andere machen eine Therapie, ich spiele Theater“

Dorothea Anzinger coacht Manager mit den Techniken des Improtheaters. Erfahren Sie, wie man davon im Job profitieren kann.

christianewolff.de

Daraus folgen die nächsten wichtigen Punkte: Wahrnehmung und Spontanität. Beim Impro-Theater muss ich 100 Prozent präsent auf der Bühne sein, da ich ja nicht weiß, was passiert und was mein Gegenüber vorhat, mit welchen Behauptungen er mich konfrontiert, welche Gefühle er ausspielt und mit welchen Ideen er mich überrascht. Da heißt es ganz genau auf meinen Partner schauen, beobachten, wahrnehmen und spüren. Um dann im Gegenzug spontan darauf reagieren zu können. Mehr Wahrnehmungsschulung und Spontanität-Testen geht kaum!

Übertragen auf den Job sprechen wir über das 1×1 der Kommunikation. Ich kann einen Gesprächsverlauf nur erfolgreich steuern, wenn ich mich auf mein gegenüber einlasse. Ideen, Gespräche und Verhandlungen müssen fließen und nicht bröckeln.

3. Gefühlen freien lauf lassen

Das Impro-Theater ist ein geschützter Raum – zumindest bei den Workshops, wenn man noch nicht vor realem Publikum spielt. Hier kann ich mich also einfach mal austoben. Das heißt, ich kann neue Gefühlswelten ausleben, in fremde Charaktere schlüpfen, Rollen ausprobieren – und über meine Grenzen gehen. Ohne dass das peinlich ist, weh tut oder bewertet wird. Und ich erhalte durch meine Spielpartner sofortige Rückmeldung, wie das ankommt.

Gefühle reißen mit. Gerade in Präsentations- oder Pitchsituationen ist der Ausdruck wichtig. Ich möchte meine Zuhörer mitreißen und von meiner weltklasse Idee überzeugen. Diese Gefühl muss ich transportieren verbal und nonverbal. Improtheater ist der perfekte Ort, um genau das zu trainieren.

Und zu guter Letzt

Impro-Theater macht wahnsinnig viel Spaß! Das ist kein stupides Abarbeiten oder Lernen – sondern ein spielerisches Ausprobieren, Machen und Erfahren. Nach einem Improtheaterworkshop gehe ich nicht nur mit einer Ladung an neuen Erkenntnissen und Erfahrungen nach Hause, die ich im Job ein- und umsetzen kann, sondern auch mit einem breiten Grinsen im Gesicht!

Diese 3 Improvisationstheater in München kann ich empfehlen:


In Anlehnung an meinen W&V Beitrag: „Ja, und?“ Die Formel für mehr Erfolg

Wie fühlen Sie sich nach der Lektüre dieses Blogbeitrags?