Als PR-Expertin beschäftige ich mich jeden Tag intensiv mit der Frage, wie Menschen öffentlich auftreten und wahrgenommen werden. Eine entscheidende Zutat dabei ist meiner Überzeugung nach das Bild, das wir von uns selbst haben und entsprechend nach außen präsentieren. Beides sind keine naturgegebenen, unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten, sondern Bereiche unserer Persönlichkeit, die wir bewusst wahrnehmen, reflektieren und gestalten können. Da ich leidenschaftliche Netzwerkerin bin, habe ich die PR-Profis in meinen Kontakten gefragt, was ihre persönlichen Erfahrungen und ihre besten Tipps zum Thema Eigen-PR sind. Hier sind ihre besten Geschichten und Tipps aus erster Hand.

“Die besten #Eigen-PR-Tipps – aus erster Hand von den #PR-Profis.“

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1. Rosanna Pierantognetti, Handtaschentherapeutin

Für mich war und ist die beste Eigen-PR das Fernsehen. Durch meine Idee der „Handtaschen-Therapie“ wollen alle TV Sendern immer wieder mit mir drehen. Das liegt natürlich daran, dass das Thema allein schon sehr verrückt klingt und man mich immer wieder findet, wenn man zum Thema Handtaschen im Internet recherchiert. Angefangen hat es vor 5 Jahren, als ich die Idee hatte und damit zu Pro7 gegangen bin. Dort habe ich als Konzept für Taff vorgestellt und nachdem wir den ersten Dreh gemacht haben, sind alle anderen Sender Sat1, RTL, WDR, ARD, ZDF, ServusTV u.v.m. von ganz alleine auf mich zugekommen.

Natürlich folgen dadurch dann automatisch auch die Tageszeitungen, Radio und Magazine. Ich habe eigentlich keine direkte PR gemacht. Es ist vielmehr durch die verrückte Idee und natürlich ohne etwas dahinter verkaufen zu wollen automatisch passiert. Durch die vielen TV-Drehs habe ich gemerkt, das mir Live Sendungen sehr viel Spaß machen und ich unbedingt weiter in diese Richtung gehen möchte. Ich habe deshalb mehrere Castings bei HSE24 mitgemacht, um mich dort als Expertin in Sachen Produkte rund um die Frau zu positionieren und endlich bekomme ich nach 2 Jahren meine erste LiveSendung auf HSE. Eigentlich ist meine Marke gerade erst im Entstehen und am Anfang wusste ich auch gar nicht genau was ich daraus machen soll.

Meine Eigen-PR-Strategie in den Social Media: Facebook & Co. werden nebenbei gefüttert; allerdings muss ich sagen, dass meine persönliche Facebook-Seite besser läuft als meine Fanpage. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Fanpage im Edgerank bei meinen Freunden auch nicht zu sehen ist. Zum Bloggen bin ich trotz mehrerer Anläufe nicht gekommen. Die nächsten Steps sind gerade Buch und ein internationaler Auftritt auf Instagram.

2. Dr. Rebekka Reinhard, Philosophin, Autorin und Speakerin

Auf der Basis meiner Erfahrungen zum Thema Eigen-PR sind das meine grundsätzlichen Ideen: Alles hilft, Veranstaltungen, Kurzvorträge, Facebook, Bücher – solange man beständige Qualität liefert und das macht, was einem wirklich liegt und wohinter man steht. Beständige Qualität kann man nur liefern, wenn es einem um die Sache geht, und (paradoxerweise) nicht um die Eigen-PR. Grundsätzlich gilt: alles mit Liebe und Enthusiasmus machen, sonst springt der Funke nicht über. Verbissenheit tötet die Eigen-PR-Wirkung.

Zum Thema TV: Nach meiner Erfahrung nutzen hier Kontakte wenig, da jeder sein ‚Produkt‘ im TV promoten will und die Konkurrenz erdrückend ist. Als Frau hat man die besten Chancen, wenn man Politikerin ist oder gut aussieht und am besten blond ist UND Inhalte hat, die erstens gerade zu den aktuell in den Medien meistdiskutierten Themen passen und die zweitens auch noch rhetorisch geschickt (und das heißt „verbraucherfreundlich“) präsentiert werden können; fürs TV braucht man auf jeden Fall ein bahnbrechendes und dennoch massenkompatibles Produkt, das man möglichst bereits über möglichst viele Kanäle (Print, Internet, Radio) bekannt gemacht hat: ein Buch, ein Engagement, ein Unternehmen und so weiter.

3. Gabriele Euchner, Managementberaterin und Autorin von „Mit dem Fußtritt aus der Chefetage“

Ein Buch selbst zu schreiben, ist zwar eine Menge Arbeit, doch die Wirkung ist enorm, wenn das Thema und vor allem der Titel interessant genug sind. Ein reißerischer Titel wie zum Beispiel: „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin!“ hat dieses Buch zum Bestseller gemacht, obwohl der Inhalt über x-fach kopierte Coaching-Basics kaum hinausgeht. Ich würde auch eher über einen bekannten Verlag veröffentlichen als im Eigenverlag, dann  ist die Reputation und Akzeptanz höher für die weitere PR, selbst wenn kleine Verlage nicht viel für PR tun können. Und als Tipp für alle, für die es undenkbar scheint, ein ganzes Buch zu schreiben: Man kann ja auch zu zweit schreiben, das geht  dann schneller.

4. Michaela Ellen Lenz, Verlagsleiterin Weimer Media Group

Mein Tipp für eine erfolgreiche Eigen-PR habe ich in dem folgenden 10-Punkte-Plan zusammengefasst:

  • Recherche / Wissen aufbauen
  • Kontaktaufnahme zum Entscheider – Zuhören!
  • Bedarfsanalyse in Abstimmung mit dem/den Kunden erstellen
  • Abgleich von Möglichkeiten, Ideen und Wünsche sowie Erwartungen.
  • Persönliche Beratung sowie passende & ehrliche Empfehlung
  • Konzeption erstellen
  • Bedarfsorientiertes Konzept vorstellen
  • Faires & marktgerechtes Angebot
  • Perfekte Umsetzung des Auftrages
  • Nachhaltigkeit in der gesamten Prozess-Kette

5. Claudia Dinges, Redaktionsleitung Evangelische Funk-Agentur

Das hier sind meine TOP 5 der besten Eigen-PR Tipps:

  • Nach dem allerersten persönlichen Kennenlernen und dem Austausch der Kontaktdaten schreibe ich immer innerhalb der nächsten 24h (!) eine Mail an die Person, in der ich mich für das Treffen bedanke (!) und betone, dass wir im Austausch bleiben.
  •  Ich stehe zu meinen Schwächen, denn sie zu vertuschen, finde ich noch viel peinlicher.
  • Ich stehe zu meinen Fehlern und spreche sie auch offensiv an – meistern aber nur, wenn ich sie gleich bemerke, im Nachhinein wäge ich ab, ob es noch Sinn macht.
  • Selbst beruflich, werde ich relativ schnell persönlich und interessiere mich für mein Gegenüber und höre intensiv zu, so dass der- oder diejenige manchmal erstaunt ist, was ich über ihn/sie beim nächsten Treffen noch weiß – Stichwort: ich liebe und sammle Kennenlerngeschichten bei Menschen in Beziehungen – dito liebe ich es Geschichten von Taxifahrern, die so viel erleben – vielleicht schreibe ich irgendwann mal ein Buch darüber.
  • Und meine rechte Augenbraue geht hoch, wenn ich wirklich was will – sozusagen MEIN Markenzeichen.

6. Ibo Evsan, Gründer Social Trademarks

Meine Top-3-TippWenn es um das Thema Eigen-PR geht:

  • Sieh dich selbst und deine bisherigen Leistungen als Gesamtprodukt. Verschaffe dir Klarheit darüber, wer du bist, was du kannst und wie du wahrgenommen werden willst. Dann kommuniziere das, lebendig und mit voller Begeisterung.
  • Erstelle dir perfekte Social Media Auftritte und vernetze dich mit allen wichtigen Persönlichkeiten aus Deiner Branche. Eine harmonische Darstellung in allen Kanälen ist integraler Bestandteil einer Personal Brand.
  • Erstelle dir eine Kommunikationsplattform wie eine Expertenseite, um deine Inhalte zu publizieren und von einer zentralen Stelle aus in den Sozialen Medien zu teilen. Social Media ist ein Teil, SEO der andere. Erreiche den ersten Platz bei Google mit deiner Expertise!

7. Instagrammerin Katharina Hessel alias Didiasku (10.000 Follower)

Stelle dir zunächst folgende Fragen: Welches Ziel habe ich? Was möchte ich durch Eigen-PR erreichen? Danach folgt die Positionierung & das Konzept: Wer ist meine Zielgruppe? Wie kommuniziere ich mich meinen Followern? Bin ich unnahbar oder die beste Freundin? Spreche ich eher Unternehmen & Kollaborationspartner an (-> Verlinkungen von allem was sich auf dem Bild verlinken lässt) oder nutze ich Instagram als kreativen Spielplatz nach eigenen Regeln (und werde damit als kreative Persönlichkeit wahrgenommen)? Beim Lifestyle gilt: Privat erscheinen ohne es zu sein. Dazu kann man die Kulisse der Heimatstadt einfangen, „Mood“-Bilder also Emotionen teilen und immer dazu passende Bildunterschriften wählen, die theoretisch jeden ansprechen beziehungsweise eine Identifikation hervorrufen. Eine sehr gute Quelle hierfür ist Tumblr Quotes.

Authentizität ist eine starke Währung bei Instagram, Kollaborationspartner sollten daher sorgfältig ausgesucht werden. Absolutes No-Go: Ein Produkt von konkurrierenden Anbietern in kurzem Zeitraum hintereinander veröffentlichen. Frage dich: Für welche Themen stehe ich? Wie möchte ich wahrgenommen werden? Es gilt immer Authentizität zu wahren: Streetstyle Girl oder Modepüppchen? Lifestyle Bilder oder Hochglanz Editorials? Süß & freundlich oder kontrovers & edgy? Neon colors oder pastel candy colors? Follower brauchen eine klare Linie, Veränderungen sollten wenn, dann sanft stattfinden, damit diese die Verbindung zur (doch eigentlich fremden) Person nicht verlieren.

Grundsätzlich muss sich jeder fragen: Wie viel Zeit möchte und kann ich für meine Eigen-PR investieren? Wer das Ziel hat, von Instagram seinen Lifestyle zu finanzieren, muss sich weit über 8 Stunden am Tag damit beschäftigen: Sport, Körper- und Gesichtspflege, Haarpflege und -styling, Manicure & Pedicure. Das sind die Grundvoraussetzungen als Beauty- und Modeblogger, was der einfachste Weg ist, ein großes Following aufzubauen. Um anderen als Inspiration zu dienen, muss man vor allem schneller als die Masse sein. Outfit of the day, neue Haar- und Makeup-Trends verbreiten oder gar kreieren (Trendalarm: kahlrasierte Köpfe, bei Mann und Frau). Hierzu ist Research genau so ein Zeitfresser wie der Besuch aller nötigen Events zum Aufbau und Pflege der obligatorischen Kontakte. …oder man ist Gamer und spielt den ganzen Tag neue Computerspiele, ebenfalls ein Vollzeitjob. 😉

Welche Tools nutze ich online und offline? Online: Meinungsbildende Plattformen wie zum Beispiel Highsnobiety, Refinery29, Mit Vergnügen und amerikanische Online-Medien (die meisten Trends kommen eben doch aus Amerika), Instagram (!!) für neue, aufstrebende und inspirierende Persönlichkeiten, Tumblr (egal was es ist, es ist zuerst bei Tumblr). Offline: Nicht kommerzielle Zeitschriften zum Beispiel hier.

Welche Rolle spielt bei der Eigen-PR das Thema Netzwerken? Netzwerken ist das A und O für einen reichweitenstarken Auftritt. Sei es Kollaborationen, Verlinkungen, Tags, Einladungen, oder der Portfolio-Aufbau. Ein geübter Umgang ist dennoch gefragt. Gefahren liegen darin, es zu überstrapazieren – daraus folgt Unglaubwürdigkeit & Wertverlust – sowie sich selbst in der kreativen Ausrichtung einzuschränken oder gar zu verlieren. Keine Angst haben auch mal „Nein“ zu sagen, denn ist der Ruf erst einmal ruiniert….

8. Carina Rey, Kommunikationsexpertin (Carina Rey, Communication & Licensing, Ideen für starke Marken)

Grundsätzlich gilt für mich und meine Laufbahn das Gleiche wie man auch an anderen Stellen oft hört: Um wiedererkannt zu werden und einen echten „footprint“ zu hinterlassen, ist Authentizität und eine Form von Uniqueness ein wesentlicher Bestandteil, sich selbst zu einer glaubwürdigen Marke zu inszenieren. Denn nur wer selbst glaubwürdig und authentisch ist, in dem, was er tut, wie er es tut, wie er kommuniziert – und nicht zu vergessen – wie er auftritt und den Menschen dabei in Erinnerung bleibt, sind die Bausteine zum eigenen Erfolg. Das hat sich vor allem dadurch gezeigt, dass Menschen nach meinen Vorträgen an Unis oder Kongressen oft danach persönlich zu mir gekommen sind und mich ehrlich beglückwünscht haben beziehungsweise mir gesagt haben, dass sie selten einen Menschen getroffen haben, der mit soviel Begeisterung über seinen Job und seine Tätigkeit gesprochen hat wie ich – das sind natürlich die schönsten Komplimente und das hat sich für mich dann weiter verfestigt: Ich habe gemerkt, dass ich Menschen begeistern kann und auf einmal für jeden selbst vorstellbar wird, dass man wirklich echte Freude am Beruf haben kann. Ich denke, dieses zu vermitteln ist mir nur gelungen, da ich offensichtlich diese Mischung an Authentizität und Glaubwürdigkeit mit einer Portion Uniqueness vereint hatte!!!

Ich bedanke mich bei allen Beitragenden, dass sie sich Zeit für die Antworten genommen haben, für die tollen Geschichten und ihre besten Tipps zum Thema Eigen-PR.

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