Neue Studie, altes Problem

Und schon wieder eine Studie zum Thema Frauen und Karriere: Warum wir – oder zumindest nur wenige Frauen – es einfach nicht schaffen, nach oben zu kommen. Zig Gründe wurden schon in der Vergangenheit genannt: fehlende Kindergartenplätze und Kinderbetreuung, die Quote, Elternzeit für beide Elternteile, die gläserne Decke, überholte Rollenbilder und und und.

Die neue Studie besagt nun, dass wir Frauen uns gerne entmutigen lassen. Über diese Untersuchung, die von Raina Brands, Assistenz-Professorin an der London Business School gemeinsam mit Isabel Fernandez-Mateo, Professorin an der London Business School für Strategie und Unternehmertum, auf den Markt gebracht wurde, habe ich vor Kurzem in der Wirtschaftswoche gelesen (das erste Mal wurde darüber in der Harvard Business Review berichtet. Die Studie besagt, dass Frauen, die einmal bei einer Bewerbung abgelehnt wurden, bei einer Beförderung übergangen oder bei einer Ausschreibung nicht bedacht wurden, sich davon extrem entmutigen und sich in der Folge davon abhalten lassen, es erneut zu versuchen. Ich habe diese spannende Studie und den Artikel der Wirtschaftswoche gleich nach der Lektüre an einige erfolgreiche Frauen aus meinem Frauen-Netzwerk weitergeleitet. Und ja, es gab sehr viel Zuspruch dazu und auch Bestätigung. Was aber steckt genau dahinter? Warum lassen sich Frauen so schnell entmutigen und warum kann ein Nein dazu führen, dass wir es nicht weiter versuchen?

Warum lassen wir uns entmutigen?

Darauf geht die Studie, oder zumindest der Artikel in der Wirtschaftswoche, nicht en détail ein. Deswegen kann ich jetzt nur Vermutungen aussprechen. Oder zumindest eine Parallele beschreiben, die ich auffällig finde. Ist es nicht so, dass sich bereits im Teenageralter meist Jungs um Mädchen bemühen? Ich glaube, schon hier herrscht noch das alte Rollenmuster vor. Jungs stecken  eine Niederlage gut weg und versuchen es einfach erneut oder bei der Nächsten. Und ja, auch früher in der Diskothek oder heute im Club werden in der Regel Frauen von Männern angesprochen und nicht umgekehrt.

Immer noch wollen Frauen von Männern um ihre Hand angehalten werden, richtig? Oder kennt ihr eine Frau, die bei ihrem Partner um seine Hand angehalten hat? Ist es auch hier so, dass wir keine Niederlage einstecken können oder wollen? Und lieber darauf warten, dass wir gefragt werden? Ist das wirklich so? Und woher kommt das dann?

Ein etwas billiger Vergleich vielleicht, aber eventuell ist es das gleiche Muster. Eine Antwort habe ich leider auch nicht darauf. Wollen wir Frauen wirklich immer geliebt werden und bloß kein „Nein” hören? So werden wir auf alle Fälle leider nicht weiterkommen. Wenn wir also selbstbewusst und selbstbestimmt, sowohl in der Beziehung als auch im Job, „den Richtigen“ finden wollen, dann müssen wir auch so mutig sein, ihn anzusprechen beziehungsweise einzufordern. Und hey, der Spruch gilt überall – wenn es mal nicht klappen sollte, egal ob im Job oder mit dem Objekt der Begierde: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen!

Wir müssen unsere Chancen ergreifen

Wir sollten lernen mit den Risiken, die das Leben uns bietet, etwas bewusster und auch entspannter umzugehen. Und wir sollten in diesem kurzen und wunderschönen Leben nicht vergessen, die vielen interessanten Chancen und Gelegenheiten zu nutzen, die sich uns bieten, um uns weiterzuentwickeln, neue spannende Dinge zu erleben und dabei natürlich auch den eigenen Horizont erweitern zu können. Und Karriere zu machen.

Das stärkste Gefühl, das uns dabei hindert, ist die Angst. Und die, das wissen wir alle, entsteht meistens einzig in unserem Kopf. Sie ist hausgemacht und von uns erzeugt. Und das ist genau der Punkt, an dem wir auch ansetzen können, um sie zu sänftigen oder im besten Falle zu beseitigen.

Hier eine kurze Anleitung, wie wir unsere Angst überwinden können. Mutig sein muss natürlich, wie alle Dinge im Leben, geübt werden und funktioniert nicht unbedingt beim ersten Mal.

Tschüss, Angst!

1. Die Angst stoppen

Sobald die Angst eintritt und irgendwelche Horrorvorstellungen im Kopf anfangen zu wachsen, versucht die negativen Gedanken zu stoppen. Das hört sich einfacher an als es ist. Aber sagt euch leise vor oder auch gerne laut: „Stop!“ Das muss man auf jeden Fall ein paar Mal geübt haben, bevor es automatisch funktioniert. Aber dann kann es die Angst packen, bevor sie es sich gemütlich machen konnte in.

2. Rational rangehen

Dann solltet ihr wieder den Verstand einschalten. Was ist es genau, wovor wir uns fürchten? Was ist es, vor dem wir Angst haben? Welche Folgen könnte der nächste Schritt haben? In der Regel malen wir uns hier ein sehr bedrohliches Bild, das der Realität nicht standhält. So schlimm sind die Folgen meistens doch nicht!

3. Eine Außenperspektive einnehmen

Jetzt geht bitte noch einen Schritt weiter. Ist es realistisch, dass die Szenerien, die ihr euch vorstellet, auch wirklich eintreten? Hier könnt ihr auch eure Freunde einbeziehen. Fragt sie einfach, was sie davon halten und welche Risiken sie sehen. Ihr werdet erstaunt sein, welche Antworten kommen!

4. Mit den Konsequenzen arbeiten

Wenn die befürchteten Folgen tatsächlich real werden können, überlegt euch lieber, wie ihr diese mildern, ändern oder beseitigen könnt, anstatt immer wieder den Teufel an die Wand malen. In der Ecke sitzen und schmollen bringt hier leider nichts und hilft nicht weiter. Nehmt diese Energie lieber und schaut nach vorne.

5. Eine Mutprobe nach der anderen

Beginnt mit kleinen Schritten! Jeden Tag ein kleines Risiko mehr und irgendwann werdet ihr sehen, wie einfach es ist, auch ein großes Risiko zu wagen. Dabei werdet ihr auch feststellen, wie spannend und aufregend euer Leben sein kann – im Job und überall sonst!


Erstveröffentlicht auf editionf.com

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