Macht macht Spaß

Wer nach oben strebt – ob Mann oder Frau – tut gut dabei, sich Unterstützung zu holen. Andrea Och ist Unternehmerberaterin, Markenexpertin und Keynote Speaker und möchte mit ihrem Buch, das sie gemeinsam mit Katharina Daniels geschrieben hat, „Lust auf Macht“ machen. Es zeigt aber auch ehrlich auf, wie viel Arbeit und Zeit dahinter stecken. Ich habe ein paar der wichtigen Kapitel-Themen aufgegriffen und Andrea Och getroffen.

Was bedeutet „Macht” für Sie ganz persönlich?

Macht ist für mich gleichbedeutend mit: machen können. Das heißt, ich kann Ideen und Vorstellungen umsetzen, ohne mich einem anderen Willen unterwerfen zu müssen. Es bedeutet schlicht Gestaltungsspielraum zu haben und war damit immer ein wichtiger Antrieb meiner eigenen Karriere.”

Warum ist Macht bei Frauen oft so negativ besetzt?

„Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten Frauen ja kaum Macht. Das ist sicher ein Grund, warum wir schon mit dem Wort meist Negatives assoziieren. Testen Sie sich selbst: Was fällt Ihnen zu Macht ein? Machtmissbrauch, Machtgier, Ohnmacht, die dunkle Seite der Macht? Dabei ist Macht an sich doch ein neutraler Begriff. Wenn ich sie habe, liegt es nur an mir, ob ich sie positiv oder negativ ausübe. Fest steht: Wenn ich etwas verändern will, brauche ich Macht.”

Im Macht-Bereich gibt es viele Spielregeln. Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste?

„Zunächst müssen Sie das Paralleluniversum der Macht, das neben der puren Leistung existiert, überhaupt erst einmal anerkennen und nicht gleich verdammen. Die Spielregeln sind dann abhängig von der Firmenkultur und der ernsthaften Beteiligung von Frauen in Führungspositionen. Am besten starten Sie damit, Ihr Umfeld zu begreifen. Also: Worauf gründet sich die Macht der agierenden Personen? Welche Mittel setzen sie ein? Ein wichtiger Tipp an dieser Stelle: Wenn Sie die Unterstützung der ,Mächtigen’ benötigen, sollten Sie niemals an deren Machtbasis rütteln!”

Wie finde ich meine persönliche Stärke und wie wichtig ist das für meinen Job?

„Starten Sie mit dieser simplen Frage: Lieben Sie das, was Sie derzeit machen? Dann haben Sie Ihren Job – vielleicht unbewusst – an Ihren Stärken ausgerichtet. Wenn die täglich gefordert werden, entfalten Sie Ihr Potential automatisch. Höchstleistungen werden im Bewusstsein der eigenen Stärken deutlich wahrscheinlicher und machen zudem auch noch Spaß. Wenn Sie also etwas mit Begeisterung, mit Leichtigkeit und großem Interesse machen, dann liegen dort auch Ihre Stärken. Wenn Sie sich Ihrer eigenen Qualitäten nun wirklich nicht sicher sind, holen Sie sich Feedback von Personen Ihres Vertrauens. Oder führen Sie ein Erfolgstagebuch. Denn: Wenn Sie Ihre Stärken kennen, können Sie Ihre berufliche Karriere bewusst daran ausrichten.”

Wie finde ich meine persönlichen Ziele? Warum ist es so wichtig, überhaupt Ziele zu haben? Und was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Punkt, um meine Ziele zu realisieren?

„Die Antwort auf so viele Fragen beginnt mit zwei weiteren: Was ist Ihnen wirklich wichtig im Leben? Und, was würden Sie tun, wenn Scheitern ausgeschlossen wäre? Wenn Sie darüber mal ernsthaft nachdenken, kommen Sie Ihrem eigenen Ziel gleich näher. Visualisieren Sie die verschiedenen Szenarien. Schreiben Sie möglichst genau auf, welcher Film vor Ihrem inneren Auge abläuft, welche Empfindungen Sie damit verbinden. Je spezifischer Sie sind, desto besser können Sie ein konkretes Ziel ableiten. Starten Sie dann jeden Arbeitstag bewusst mit der Frage, welchen kleinen Schritt Sie heute auf dem eingeschlagenen Weg machen können. Denn große, anspruchsvolle Ziele werden nie über Nacht erreicht. Und bedenken Sie, wer keine eigenen Ziele verfolgt, reagiert immer passiv auf die Pläne und Erwartungen anderer, statt selbst zu gestalten.”

Wie wichtig ist Eigenwerbung und warum scheitern an diesem Punkt so viele Frauen?

Nur Mut! Warum wir uns viel mehr trauen sollten | Christiane Wolff

Und schon wieder eine Studie zum Thema Frauen und Karriere: Warum wir – oder zumindest nur wenige Frauen – es einfach nicht schaffen, nach oben zu kommen. Zig Gründe wurden schon in der Vergangenheit genannt: fehlende Kindergartenplätze und Kinderbetreuung, die Quote, Elternzeit für beide Elternteile, die gläserne Decke, überholte Rollenbilder und und und.

christianewolff.de

„Weil Bescheidenheit noch immer als weibliche Tugend gilt. Bis zur Uni und auch noch beim Eintritt in die Arbeitswelt zählt die pure, meist messbare Leistung. Doch leider ist Top-Leistung nur der erste Schritt zur Top-Karriere. Wenn auf dem weiteren Berufsweg wichtige Entscheidungsträger weder Sie noch Ihre Verdienste kennen, nützt Ihnen das leider wenig. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich früher oder später jemand anderes mit Ihren Erfolgen schmücken wird und Sie frustriert auf der Strecke bleiben. Daher verabschieden Sie sich besser gleich von dem Gedanken, entdeckt zu werden.

Machen Sie aktiv und ohne falsche Bescheidenheit auf sich und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg aufmerksam. Leider sind Frauen ja meist noch immer so sozialisiert, dass sie mit ihren Erfolgen hinterm Berg halten. Zeigen Sie selbstbewusst aber ohne Protzerei, dass Sie mit Ihrer Kombination aus Stärken und Leistungen durchaus besser und einzigartig sind. Werben Sie für sich mit Ihren wohlgemerkt messbaren Erfolgen, zeigen Sie Ihr Potential. Oder um es mit einem alten Sprichwort im übertragenen Sinn zusammenzufassen: Klappern gehört zum Handwerk!”

Wie werde ich zu einer eigenen Marke?

„Indem Sie sich klar mit den drei wichtigsten Aspekten positionieren, die für Ihre Zielgruppe relevant sind und Sie von Ihrem Umfeld positiv abheben. Zeigen Sie kontinuierlich, dass Sie anders sind. Finden Sie verschiedene Wege, dies immer wieder zu kommunizieren. Ziel ist es, die Nummer eins im Kopf der Personen zu werden, deren Unterstützung Sie benötigen. Je besser Ihnen das gelingt, desto kleiner wird ihre Konkurrenz. Markenführung sorgt für Vertrauen und Orientierung in unübersichtlichen Märkten. Und der Markt um die beste Leistung ist sehr unübersichtlich!”

Wie setze ich Anker, um mich gekonnt zu positionieren?

„Es geht ja darum, sofort (wieder) erkennbar zu werden, aus der Menge positiv herauszustechen. Das erfordert vor allem Konsequenz und Beharrlichkeit, bis etwas zum individuellen Markenzeichen und damit selbstverständlich geworden ist. Was letztlich wirkt, hängt von Ihrem Typ, Ihrem Mut und Ihrem Umfeld ab.”

Für wie wichtig halten Sie es, auf die Bühne zu gehen und Vorträge zu halten? Und welche anderen Plattformen sollte jede Person, die nach Erfolg und Macht strebt, nutzen? Welche Bedeutung haben dabei die Sozialen Medien?

„Welche Bühne die effektivste ist, richtet sich ausschließlich danach, was Ihre potenziellen Unterstützer interessiert. Was lesen diese? Wo lesen sie es? Wo kann ich diese Personen persönlich treffen oder digital erreichen? Für die einen sind es Vorträge, für die anderen Expertenforen im Netz. Für wieder andere sind es beispielsweise interne Präsentationen oder Charity Events. Zudem rate ich dazu, den eignen „digitalen Fußabdruck“ genau zu kontrollieren. Ein Xing/LinkedIn-Profil gehört mit Sicherheit dazu, wenn es wirklich auf die eigene Markenpositionierung abzielt. Einflussreiche Personen kennenzulernen ist ein weiterer relevanter Punkt.”

Dem Thema Netzwerken widmen Sie ein eigenes Kapitel. Wie finde ich das richtige Netzwerk für mich und wie komme ich in die richtigen Netzwerke rein?

Lust auf Macht: Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen - Andrea Och, Katharina Daniels - Amazon.de: Bücher

Lust auf Macht: Wie (nicht nur) Frauen an die Spitze kommen | Andrea Och, Katharina Daniels | ISBN: 9783709304938 | Kostenloser Versand für alle Bücher mit Versand und Verkauf duch Amazon.

www.amazon.de

„Da wären wir wieder bei persönlichen Zielen. Denn: Nur wenn ich mein Ziel kenne, kann ich Menschen identifizieren, die mir beim Erreichen behilflich sein können. Es geht nicht darum, überall und mit jedem zu Netzwerken, sondern effektiv und gezielt vorzugehen. Oftmals sind es nur wenige Personen, die Sie für Ihr Vorhaben gewinnen müssen. Sobald Sie diese identifiziert haben, suchen Sie nach potenziellen Kontaktgelegenheiten. Das persönliche Kennenlernen ist die ideale Basis. Und auch digital können Sie mittlerweile vielfältige Kontaktmöglichkeiten schaffen. Machen Sie aber vorab Ihre Hausaufgaben: Was ist dieser Person wichtig? Wie kann ich für diese Person interessant werden? Vielleicht kann Sie jemand vorstellen. Oder hält Ihre Zielperson einen Vortrag? Nehmen Sie daran teil! Stellen Sie eine interessante Frage. Danken Sie hinterher für den Austausch, wechseln Sie Visitenkarten und bitten Sie um einen Folgetermin.

Bleiben Sie am Ball! Und lassen Sie sich nicht von Positionen und Titeln beeindrucken. Dahinter stecken auch nur Menschen mit Träumen, Wünschen und Ängsten, die wir alle haben. Zeigen Sie Respekt – aber machen Sie sich nicht klein. Sobald Sie den Kontakt erfolgreich aufgebaut haben, sollten Sie zügig nach dem geeigneten Zeitpunkt suchen, um konkret um Unterstützung zu bitten. Die meisten Menschen helfen übrigens gern. Letztlich geht es darum, einen Kontakt zum beiderseitigen Vorteil zu schaffen. Wenn wir uns dies bewusst machen, ist gezieltes Netzwerken sehr effektiv! Es hängt nur davon ab, was Sie erreichen wollen.”

Wie wichtig sind Statussymbole, um Macht zu demonstrieren? Wo fängt hier für Sie die Glaubwürdigkeit an – und wo hört sie auf? Ich fahre beispielsweise nur Fahrrad. Muss ich denn doch ein Auto fahren, um Macht zu demonstrieren?

„Statussymbole sind keine Instrumente, Macht auszuüben. Sie zeigen nur: Hier ist jemand relevant. Auf dem Weg an die Spitze helfen sie durchaus, ernstgenommen und respektiert zu werden. Allerdings macht es dabei keinen Sinn, die eigenen Werte zu verraten. Wenn ich also Autofahren hasse, sollte ich nicht vom Fahrrad auf den Dienstwagen umsteigen. Und überhaupt: Wer bei Statussymbolen nur an die Klassiker wie eben Dienstwagen, größeres Büro, üppigere Zimmerpflanze oder Designerregal denkt, der liegt falsch. Als Statussymbole – abhängig vom kulturellen Umfeld – gelten heute immer mehr auch bestimmte Privilegien und Freiheiten. Je höher Sie hierarchisch aufsteigen, desto freier sind Sie, informelle Regeln zu brechen. Ein Beispiel: Steve Jobs konnte aufgrund seines Status in verbeulten Jeans und Rollkragenpullover vor die Kameras treten und wurde gefeiert. Versuchen Sie das mal als ambitionierte Berufsanfängerin in einer Großbank! Egal wie kompetent Sie sind.”

Es gibt sicherlich viele Möglichkeiten, um an Macht zu kommen! Wie behalte ich dabei noch Überblick und Freude – und wie gehe ich mit Gegenschlägen um?

„Eine eigene Strategie zu entwickeln ist anstrengend, weil Sie sich selbst viele unbequeme Fragen stellen müssen. Wenn Sie sich aber dazu durchringen, erhalten Sie Ihren persönlichen Fahrplan, der Ihre Erfolgschancen dramatisch erhöht und Sie auch schneller und mit mehr Spaß an Ihr Ziel führt. Garantiert! Vor allem: Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst und geben aktiv die Richtung vor. Und wenn etwas nicht sofort klappt, aus Fehlern und Misserfolgen habe ich bislang immer etwas Wertvolles gelernt. Ein berufliches Ziel sollte keine Frage auf Leben und Tod sein. Manchmal ändern sich auch Rahmenbedingungen, so dass eine Zielanpassung sinnvoll wird. Betrachten Sie es spielerisch. Mal gewinnt man, mal verliert man. Der Trick ist, öfter zu gewinnen als zu verlieren und Niederlagen als neue Chancen zu begreifen.”


Erstveröffentlicht auf editionf.com

Wie fühlen Sie sich nach der Lektüre dieses Blogbeitrags?