Wie hebt man sich von seinen Mitbewerbern ab und welche Ziele sollte man sich setzen, um im Job weiterzukommen? Das erzählt Headhunter und Personalberater Markus Böhler im Interview.

„Danke, wir melden uns!“

„Don’t call us, we call you.“ – Das ist der Leitspruch von Markus Böhler, Headhunter aus München. Neben seiner Tätigkeit als Personalberater hat er just gemeinsam mit Louis Levitan ein Buch herausgebracht: „Stressless“: Der Experte kennt sich also nicht nur mit Karriere und Erfolg aus – er hat auch noch Tipps wie man und besonders frau bei allen Herausforderungen gelassen bleiben kann. Christiane Wolff hat mit ihm gesprochen und ihm ein paar spannende Karriertipps entlockt.

Du beschäftigst dich seit vielen Jahren mit dem Thema Headhunting und hast viele Menschen auf ihrem Karriereweg begleitet. Wie kommst du an deine Kandidaten oder wie kommen sie auf dich?

„Der Großteil der Kandidaten kommt aus meinem eigenen Netzwerk oder über Empfehlungen. Der Rest wird über Spezialisten von uns identifiziert. Menschen hinterlassen ja Spuren. Natürlich bewerben sich auch viele Menschen bei uns, einige verwechseln uns aber auch mit dem Arbeitsamt. Wir erklären ihnen dann, warum wir im Volksmund Headhunter und nicht Jobhunter heißen. Wir gehen ausschließlich im Auftrag der Arbeitgeber, die uns ja auch bezahlen, auf die Suche nach Kandidaten, für ganz bestimmte Positionen zu ganz bestimmten Zeitpunkten.“

Man bekommt manchmal das Gefühl, Frauen tun sich manchmal schwerer als Männer damit, den nächsten Karriereschritt zu machen. Ist das auch deine Erfahrung?

„Bei Karrieristinnen sehe ich eigentlich keinen Unterschied zu ihren männlichen Pendants. Bei anderen erlebe ich aber, dass es gar nicht so einfach ist, alles im Leben unter einen Hut zu bringen. Prioritäten verschieben sich in den einzelnen Lebensphasen. Der Klassiker ist immer noch Kind und Karriere. Da spielen aber auch viele Arbeitgeber noch eine gewisse Rolle. Ein anderes Thema ist, dass Frauen beim Thema Karriere oft verhaltener, zögerlicher oder unsicherer auftreten. Gerade bei Führungsaufgaben wirkt das dann nicht förderlich.“

Und hast du dafür eine Erklärung?

„Ich denke, es ist tatsächlich nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen und es sollte – wie in vielen anderen Ländern auch – auch auf Arbeitgeberseite in dieser Hinsicht noch ein erweitertes Bewusstsein aufgebracht werden. Beim Thema Zögerlichkeit kann sich aber jeder an die eigene Nase fassen. Zumindest sollte jeder Mensch, der den nächsten Karriereschritt machen möchte, einen klaren Plan, inklusive des eigenen Auftretens dafür und darin, haben.“

Wie kann man und frau in Zeiten der Digitalisierung und der vielen sozialen Kanälen am besten auf sich aufmerksam machen?

„Das Einfachste ist, sich ein paar Stellenprofile aus Stepstone und Co. zu suchen, die man spannend fände. Dann sich die relevanten Keywords (Aufgaben, Verantwortung, Kompetenzen) herauspicken und mal auf Xing, LinkedIn oder frei im Netz zu googlen und zu schauen, ob man auf der ersten Trefferseite aufschlägt. Was anderes machen unsere Researcher auch nicht. Taucht man dort nicht auf, ist klar, was zu tun ist. “

Und was kann ich dafür tun, um mich im Job oder für den nächsten Job zu positionieren?

„Die Story muss stimmen. Die Arbeitgeber suchen ja nicht Maria Mustermann, sondern eine Lösung für ihre Probleme, die im besten Fall dann Maria Mustermann heißt. Die Story muss also die Antwort sein, warum Maria Mustermann die beste Lösung ist. Dazu gehört auch die Differenzierung gegenüber anderen, weil sich Arbeitgeber in der Regel mehrere Kandidaten für eine Position ansehen. Da wird es dann schnell dünn und viele geben die immer selben Antworten.

Mein Rat ist: Vergesst alle Formalbegriffe in Superlativ-Form, wie sie gerne aus Bewerbungsratgebern kopiert werden. Keine Behauptung ohne Beispiel, wie schon in der Schule gelernt. Die Differenzierung gegenüber anderen kann nur aus der eigenen Vita kommen, denn die hat bekanntlich niemand anderes so erlebt. Aber die sollte halt auch was als Antwort hergeben und nicht konstruiert wirken. “

Vor dem ersten Schritt steht die persönliche Wunsch- und Zielsetzung. Mit der Frage danach, was man eigentlich will, tun sich aber viele schwer. Hast du da Tipps?

„Naja, sicherlich sollte jeder eine Positiv- und auch eine Negativliste erstellen können, was er im nächsten Job mehr oder weniger möchte. Es hilft meistens auch, mit mehreren Ziel-Szenarien zu arbeiten, die aber alle wesentliche Kriterien kombinieren. Man kann sich ja viel wünschen, aber letztlich kann man nur annehmen oder ablehnen, was einem vorher angeboten wurde. Deswegen sollte jeder für sich mehrere Ziel-Szenarien zulassen. Wichtig ist zudem, welche mittelfristigen Türen sich durch den nächsten Job auftun. Gerade, wenn man etwas anderes machen möchte, ist der nächste Schritt vielleicht nur ein Zwischenschritt, öffnet aber den Weg dahin. “

Du hast gemeinsam mit Louis Lewitan ein Buch über Stress geschrieben – „Stressless“. Was ist dein persönliches Entspannungsrezept?

„Nachdem uns unsere leistungsorientierte Umwelt eher dazu anleitet, uns noch mehr anzustrengen, also anzuspannen, muss jeder für sich herausfinden, was ihn entspannt – ganz wurscht, ob das Sport, gute Musik oder ein schönes Essen mit Freunden ist. Wichtig ist, dass diese Dinge nicht nur zum Ausgleich dienen oder man darin sogar in die Stressfalle tappt und dann auch privat alles nach dem Immer-höher-schneller-weiter-Modus angeht. Dinge zur Entspannung müssen um ihrer selbst willen und gerne gemacht werden. Beispiel aus dem Sport: Macht dir Joggen kein Spaß, läufst du zu schnell.“

Bescheidenheit gilt immer noch als weibliche Tugend – das müssen wir endlich ändern! | Christiane Wolff

Wer nach oben strebt – ob Mann oder Frau – tut gut dabei, sich Unterstützung zu holen. Andrea Och möchte mit ihrem Buch „Lust auf Macht“ machen.

christianewolff.de

Sind Frauen stressanfälliger als Männer und/oder gehen sie anders damit um?

„Vordergründig könnte man oft den Eindruck haben. Sicherlich haben viele Frauen das Talent, sich die Dinge, die passieren, besonders zu Herzen zu nehmen – was ja auch viele positive Seiten hat. Aber glauben sie mir, ich kenne genügend Manager, die ganz schön unter Stress geraten. Vielleicht sieht man es ihnen nicht gleich an oder sie wollen es – auch vor sich selbst – nicht zugeben. Bis es halt Knack macht.“

Wie hältst du es mit dem Thema Erreichbarkeit?

„Die Erreichbarkeit ist zu einem Lieblingsreizthema unserer Zeit geworden. Alle sagen, das ist doch Wahnsinn, macht uns verrückt und man muss nicht jeden Anruf entgegennehmen oder jede E-Mail beantworten. Und doch machen es alle. Mein Tipp ist. Zumindest die Anrufe oder E-Mails, die nur Prio 2 sind, dann auch tatsächlich erst später zu beantworten. Und sich dann, bitte schön, auch daran halten!“

Und zu guter Letzt: Was ist dein ganz persönliches Erfolgsgeheimnis?

„Erfolg stellt sich ein, wenn eigenes Talent mit günstigen Umständen zusammentrifft. Jeder soll schauen: Was kann ich gut, macht mir Spaß und in welchen Umfeldern bin ich erfolgswahrscheinlich. Das ist im Job genauso wie im Privaten. Zudem: Erfolg darf und muss gerne in mehreren Lebensbereichen vorkommen, sonst wird es schnell düster, wenn es mal an einer Stelle nicht weitergeht.“

Habe ich eigentlich noch eine Frage vergessen?

„Klar, nämlich die Frage an dich selbst: Was haben dir diese Antworten gebracht? (lacht)“


Erstveröffentlicht auf editionf.com

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